Mai 2026
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Mai 2026

15 Fragen an … Vattenfall

Two pink octopus characters with headphones and a microphone under "Vattenfall InCharge," with "15 Fragen an ..." displayed.

Was braucht es, um eine Ladeinfrastruktur aufzubauen, der Fahrer wirklich vertrauen? Für Annemarie de Jong, Geschäftsführerin E-Mobility bei Vattenfall InCharge, lässt sich die Antwort auf drei Dinge reduzieren: Zuverlässigkeit, Einfachheit und langfristiges Denken.

In diesem offenen Gespräch gewährt Annemarie uns einen Blick hinter die Kulissen eines der führenden Ladenetzwerke Europas - von Herausforderungen beim Netzanschluss und Einzelhandelspartnerschaften bis hin zu ihrer Überzeugung, dass die spannendste Innovation im Bereich E-Mobilität nicht das Auto selbst ist, sondern das nahtlose Erlebnis drum herum.

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Über Vattenfall

1. Können Sie uns einen kurzen Hintergrund geben – wie hat Vattenfall begonnen?

Vattenfall InCharge wurde gegründet, um die zunehmende Verbreitung der Elektromobilität mit einer zuverlässigen und gut zugänglichen Ladeinfrastruktur zu unterstützen. Aufbauend auf der langjährigen Erfahrung von Vattenfall als etabliertem Energieunternehmen wurde InCharge als eigenständiger Geschäftsbereich für E-Mobilität geschaffen. Der Fokus liegt auf öffentlichen Ladepunkten, Destination Charging und Schnellladelösungen für Fahrer:innen sowie Geschäftspartner in ganz Europa.

2. Wo befand sich der erste Vattenfall-Ladestandort und wie viele Ladepunkte betreiben Sie heute?

Der erste Vattenfall-Ladestandort befand sich in Berlin.Heute betreiben wir rund 40.250 AC- und DC-Ladepunkte in Deutschland, Schweden und den Niederlanden.

3. Was priorisiert Vattenfall beim Aufbau eines neuen Ladestandorts?

Unsere Prioritäten sind Zuverlässigkeit, einfache Nutzung und langfristige Skalierbarkeit. Wir bewerten Standorte sorgfältig anhand realer Ladenachfrage, Verkehrsströmen und Netzbedingungen. Ebenso wichtig sind eine hohe technische Verfügbarkeit, transparente Preise sowie die Möglichkeit, Standorte mit zunehmender Nutzung durch Elektrofahrzeuge zu erweitern oder aufzurüsten.

Standorte bei Partnern aus dem Einzelhandel – etwa bei Supermärkten wie Netto – sind dabei besonders relevant, da sie das Laden in den Alltag der Nutzer:innen integrieren. Dazu zählen unter anderem auch famila und Combi.

4. Gibt es bestimmte Regionen oder Standorttypen, die für Sie besonders wichtig sind? (Persönliche Einschätzung)

Für mich geht es weniger um einzelne Regionen als um den richtigen Mix an Standorten. Besonders wichtig ist mir die Kombination aus AC-Laden an urbanen Zielen – dort, wo Menschen ohnehin Zeit verbringen – und leistungsstarkem Schnellladen für unterwegs oder zum Nachladen, wenn eine längere Strecke bevorsteht.

Diese Balance macht elektrisches Fahren wirklich nahtlos. Gerade in Bayern, wo Stadtfahrten häufig mit längeren regionalen Strecken kombiniert werden, zeigt sich, wie entscheidend dieser Mix für Alltagstauglichkeit und Kundenzufriedenheit ist.

5. Welche politischen Veränderungen wünschen Sie sich, um den Ausbau von Ultra-Schnellladeinfrastruktur zu beschleunigen?

Der größte Hebel wären schnellere Netzanschlussprozesse und klarere Planungsrahmen. Lange Genehmigungszeiten und aufwendige Netzaufrüstungen bremsen den Ausbau derzeit. Verlässlichere Zeitpläne, eine bessere Abstimmung mit Netzbetreibern und unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen würden den Rollout von Ultra-Schnellladen deutlich beschleunigen.

man charging at Vattenfall EV charger

6. Wie sieht die Vision für Vattenfall in fünf Jahren aus? Gibt es weitere Pläne für eine internationale Expansion?

Unsere Vision ist es, ein führender Ladeinfrastrukturbetreiber in Europa zu sein, der für Zuverlässigkeit, ein starkes Kundenerlebnis und ein einfaches Zusammenspiel verschiedener Angebote steht. Wir wollen dort weiter wachsen, wo es sinnvoll ist – mit einem klaren Fokus auf Qualität, operative Exzellenz und langfristigen Mehrwert statt auf reines Wachstumstempo.

7. Welche Rolle spielt erneuerbare Energie in Ihrem Ladeangebot und wie wichtig ist das für Kund:innen?

Alle von Vattenfall InCharge betriebenen Ladestationen werden vollständig mit erneuerbarem Strom versorgt.

Vattenfall verfolgt das Ziel, bis 2040 Klimaneutralität in den eigenen Aktivitäten sowie bei Lieferanten und Kund:innen zu erreichen – dies bezeichnen wir als unsere CO₂-Roadmap.

Erneuerbarer Strom ist ein zentraler Bestandteil des Angebots von Vattenfall InCharge. Viele E-Fahrer:innen achten bewusst auf die gesamte Umweltwirkung ihrer Mobilitätsentscheidungen. Zu wissen, dass sie mit erneuerbarem Strom laden, stärkt das Vertrauen und unterstreicht die Nachhaltigkeitsvorteile der Elektromobilität.

8. Welche Innovation oder welcher Trend im EV-Bereich begeistert Sie aktuell besonders?

Ich sage oft: Die Zukunft ist elektrisch – und wir sehen sie gerade Wirklichkeit werden. Neben der stetig wachsenden Zahl an Elektro-Pkw gibt es derzeit eine leise, aber sehr relevante Entwicklung bei leichten Nutzfahrzeugen, insbesondere bei kleinen elektrischen Lieferwagen. Diese verändern urbane Mobilität und die letzte Meile in der Logistik europaweit.

Was mich besonders begeistert, ist der Fortschritt hin zu einem wirklich nahtlosen Ladeerlebnis. Innovationen, die Reibung für Fahrer:innen reduzieren – etwa weniger Authentifizierungsschritte und eine bessere Integration zwischen Fahrzeug, Ladesäule und Backend – machen Elektromobilität intuitiver und selbstverständlicher. Das ist entscheidend für die breite Akzeptanz.

Electric Volkswagen charging at a Netto parking lot, with "Vattenfall" branding.

9. Welche Rolle spielen Smart Charging, Vehicle-to-Grid oder energetische Flexibilität in Ihrem Netzwerk?

Smart Charging und Energieflexibilität werden mit steigenden EV-Zahlen immer wichtiger. Sie helfen, Netze effizienter zu nutzen, Lastspitzen zu reduzieren und das Energiesystem insgesamt widerstandsfähiger zu machen. Für Vattenfall InCharge bedeutet Ladeinfrastruktur nicht nur Strom bereitzustellen, sondern Mobilität intelligent in das gesamte Energiesystem zu integrieren.

10. Warum sind Partnerschaften wie die zwischen Vattenfall und Octopus Electroverse so wichtig für die öffentliche Ladeinfrastruktur?

Öffentliches Laden muss einfach und zugänglich sein, um in großem Maßstab zu funktionieren. Partnerschaften mit Plattformen wie Octopus Electroverse machen das Laden für Fahrer:innen einfacher, indem sie eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Lade- und Bezahlsystemen ermöglichen. Gleichzeitig können sich Betreiber wie Vattenfall InCharge auf den zuverlässigen Ausbau und Betrieb der Infrastruktur konzentrieren und gemeinsam das Kundenerlebnis verbessern.

Über Sie

Annemarie de Jong, Geschäftsführerin E-Mobility bei Vattenfall

Woman in a blazer sits at a table with an open notebook and headphones in a modern cafe setting.

1. Was ist Ihr Traum-Elektrofahrzeug?

Mein Traum-Elektrofahrzeug wäre ein vollständig autonomes, selbstfahrendes Auto, das von Grund auf für die zukünftige Nutzung von Mobilität konzipiert ist. Das bedeutet, den Innenraum völlig neu zu denken – zum Beispiel mit gegenüberliegenden Sitzen, die Gespräche, Zusammenarbeit oder einfach eine entspanntere Reise ermöglichen.

Idealerweise stammt es von einer innovativen europäischen Marke, die modernste Technologie mit durchdachtem Design und Nachhaltigkeit verbindet. Für mich geht es bei der Zukunft der Elektromobilität nicht nur um den Antrieb, sondern um eine intelligentere, menschenzentrierte Art der Fortbewegung.

2. Was war die längste Strecke, die Sie mit einem Elektroauto zurückgelegt haben?

Wir sind im Laufe der Jahre viele lange Strecken mit unserem Elektroauto gefahren, insbesondere im Urlaub – aber eine Reise sticht besonders heraus. Im Dezember 2014 fuhren mein heutiger Ehemann und ich mit einem Tesla von Amsterdam nach Paris.

Damals steckte Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Die Ladeinfrastruktur war begrenzt, und elektrisch zu fahren fühlte sich an, als wäre man Teil einer kleinen Gruppe von Pionieren. Die Fahrt erforderte sorgfältige Planung und Geduld, gab uns aber gleichzeitig großes Vertrauen in das, was Elektrofahrzeuge schon damals leisten konnten.

3. Haben Sie einen EV-Lifehack für die Community?

In Deutschland hängt der Preis fürs Laden oft stärker von der verwendeten App ab als vom Standort selbst. Derselbe Ladepunkt kann je nach Roaming-Anbieter, direktem Laden beim Betreiber oder Abo-Modell sehr unterschiedliche Preise haben. In der Praxis liegen diese Unterschiede häufig zwischen 0,20 € und 0,40 € pro kWh.

Aktuell zählen wir bei Vattenfall häufig zu den preislich attraktiveren Anbietern – insbesondere bei unseren Ad-hoc-Preisen. Das ist aus Kundensicht ein wichtiger Faktor für Transparenz und Vertrauen.

4. Welchen Rat geben Sie jemandem, der erstmals einen Vattenfall-Ladepunkt nutzt?

Es ist einfacher, als viele erwarten. Einfach einstecken, den Anweisungen an der Ladesäule oder in der App folgen – und der Ladevorgang startet. Der Prozess ist bewusst intuitiv gestaltet.

Sollte etwas nicht sofort funktionieren, gibt es immer eine einfache Alternative – etwa eine andere App, kontaktloses Bezahlen oder Unterstützung durch unseren Kundenservice. Nach dem ersten Mal wird das Laden schnell zur Routine.

5. Zum Abschluss eine Frage zur EV-Etikette: Was ist die goldene Regel beim öffentlichen Laden?

Behandeln Sie öffentliche Ladepunkte als gemeinsame Ressource. Laden Sie nur so viel, wie Sie brauchen, nicht bis 100 %, und machen Sie den Platz frei, sobald Sie fertig sind. So funktioniert das System für alle.

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